Roya 10.05.2013

Liebe Freunde,

zunächst muss natürlich über Roia berichtet werden. Ihre Operation hat am 22.4. stattgefunden. Als wir Roia ein paar Tage später in München abholen wollten, hatte sie erhöhte Temperatur. Das Krankenhaus konnte sie nicht entlassen. Die Operationswunde war offenbar nicht der Grund für das leichte Fieber. Etwas Husten hatte Roia schon aus Afghanistan mitgebracht. Sie hat auch mindestens sechs neue Milchzähnchen bekommen. Vielleicht hatte ihr Vater Hekmat zu ausgedehnte Ausflüge mit ihr durch den Park des Klinikums gemacht, und sie hatte sich erkältet. Roias Blut wurde untersucht. Am 1. Mai entließ man Roia dann doch. Sie hustet immer noch etwas. Aber sie isst viel und fühlt sich bei uns offensichtlich wohl. Die Krankenhauskost hatte ihr nicht behagt. Die Ärzte und das Pflegepersonal von Großhadern müssen gelobt werden. Man kam uns in vielen Belangen entgegen. Für alle Behandlungen wurden die geringst-möglichen Sätze verlangt. Als wir Roia abholten und den obligaten Beitrag für die Kaffeekasse entrichten wollten, erklärte die Krankenschwester, dass die Station beschlossen habe, von uns dieses Geld nicht anzunehmen. Wir sollten es für Roia verwenden. Hier in Randersacker haben schon alle Nachbarn Kuscheltiere und kleines Spielzeug gebracht. Die Ärztin, die wir wegen des Hustens konsultierten, verlangte kein Honorar.

Roia steckt mit den Beinen bis zu den Hüften in Gips. Der Gips wird auf Höhe der Fußknöchel durch einen Stock von knapp 50 cm auseinander gehalten. Die Beine bilden also ein sehr ausgeprägtes O. Roia kann nur auf dem Rücken liegen. Hekmat trägt sie auf den Armen wie auf einem Tablett. Ein älterer Mensch würde sich sehr bedauern. Aber solch ein kleines Kind hat kaum Erinnerungen und weiß nicht mehr, dass man auch anders leben kann. Was Roia nicht durch Bewegungen erreichen kann, fordert sie energisch ein, und wir haben zu springen. Dabei ist sie meist blendender Laune, so dass wir gerne die nötige Geduld aufbringen.

Roias Operation hat etwa zwei Stunden gedauert. Alles ist gut gegangen. Doch die Ärzte erklärten uns danach, dass die ursprüngliche Planung nicht einzuhalten sei. Anfang Juni sollen der Gips und die Metallteile entfernt werden. Das soll so bleiben. Danach wollte man ihr noch zwei Wochen lang eine Physiotherapie angedeihen lassen. So direkt geht das leider nicht. Während der Operation musste man feststellen, dass Roias Knochen recht weich sind. Sie können zu einem so frühen Zeitpunkt noch nicht belastet werden. Roia wird nach der Entfernung des Gipses drei Monate lang Schienen tragen müssen, die die Beine in der jetzigen Position halten. Wir stellen uns darauf ein, dass Roia und Hekmat länger hier bleiben müssen. Wir werden versuchen, die Visa zu verlängern, so dass die Behandlung nach der Abnahme der Schienen unter ärztlicher Kontrolle weitergeführt und abgeschlossen werden kann. Anne Marie wird hier bleiben müssen und erst wieder im Herbst ausreisen können.

Peter Schwittek        10.05.2013